Eisenmangel in der Schwangerschaft

Dass Eisen in der Schwangerschaft sinkt, ist normal. Zu viel Eisen ist hingegen schädlich. Das wissen viele nicht. Doch was ist noch normal und welche Werte sind wirklich aussagekräftig? Und welche Eisen-Präparate sind bioverfügbar, unbedenklich und gut verträglich im Falle eines tatsächlichen Mangels?

Das erfährst du in diesem Artikel.

Angemessene EISEN bzw. ferritinwerte in der Schwangerschaft 🩸

1. Normaler Verlauf von Ferritin in der Schwangerschaft

  • Erstes Trimester: Da die Menstruation ausfällt, kann der Ferritinwert hier zunächst leicht ansteigen, gleich bleiben oder nur leicht sinken, obwohl in dieser Phase die Eisenaufnahme im Körper generell drastisch durch eine erhöhte Hepcidin-Produktion gesenkt wird. Eine schwangere Frau benötigt hier meist nur sehr wenig Eisen (ca. 1 mg pro Tag).

  • Ab der 12. Woche: Der Ferritinwert (Eisenspeicher) beginnt kontinuierlich zu sinken.

  • 35. bis 38. Woche (Tiefpunkt): In dieser Phase erreicht das Ferritin seinen Tiefpunkt. Werte zwischen 15 und 20 ng/mL können in diesem Zeitraum völlig normal sein.

  • Vor der Geburt & Postpartum: Zum Ende der Schwangerschaft hin steigt der Ferritinwert wieder kurz an. Erst nach der Entbindung fällt er erneut ab, da das gespeicherte Eisen benötigt wird, um nach dem Blutverlust durch die Geburt neue rote Blutkörperchen zu bilden. Nach etwa 6 Wochen im Wochenbett sollte das Ferritin wieder stetig steigen.

2. Wenn Ferritin zu niedrig ist (Eisenmangel)

  • Ein Ferritinwert von < 27,23 ng/mL im ersten Trimester gilt als prädiktiver Biomarker für eine schwangerschaftsbedingte Anämie (unabhängig davon, wie das große Blutbild ausfällt).

  • Zu wenig Serumeisen oder sehr niedrige Werte in der Frühschwangerschaft stehen in direkter Verbindung mit einem Risiko für Gedächtnis- und kognitive Probleme beim Kind, da Eisen essenziell für die fetale Hirnentwicklung ist.

  • Ein Ferritinwert von < 15 ng/mL zu Beginn des dritten Trimesters steht in Verbindung mit Small-for-Gestational-Age (d. h. SGA-Babys, die für ihr Schwangerschaftsalter zu klein oder zu leicht sind).

  • Ein starker Abfall auf < 8 ng/mL in den ersten 48 Stunden nach der Geburt erhöht das Risiko einer Postpartalen Depression (PPD).

3. Wenn Ferritin zu hoch ist (Eisenspeichererkrankung / Entzündungen)

Studien deuten darauf hin, dass niedrigere Serumferritinwerte in der Schwangerschaft "schützender" sind als erhöhte Werte.

  • Schwangerschaftsdiabetes: Zeigt der Wert im ersten Trimester mehr als > 45 ng/mL an, ist das Risiko, an Schwangerschaftsdiabetes zu erkranken, 1,5-fach erhöht (bei > 80 ng/mL sogar 2,4-fach).

  • Bluthochdruck & Präeklampsie: Ein erhöhter Ferritinwert im anfänglichen Trimester (zwischen 80 und 130 ng/mL) wird mit Bluthochdruck in Verbindung gebracht.

Frühgeburten: Auch um die 30. Woche herum können untypisch hohe Werte auf das Risiko einer Frühgeburt oder ein niedriges Geburtsgewicht hindeuten. Ein Grund für zu hohes Ferritin kann neben Zellemissionen/Entzündungen auch eine Insulinresistenz sein.

Angemessene Hämoglobinwerte in der Schwangerschaft 🩸

Hämoglobin (Hb) fällt in der Schwangerschaft aufgrund der Blutverdünnung (Hämodilution) auf ganz natürliche Weise ab. Die Standardwerte (nach dem Merck Manual), ab denen man wirklich von einer Anämie spricht, liegen tiefer, als viele ahnen:

  • 1. Trimester: Hämoglobin < 11 g/dL (und Hämatokrit < 33 %)

  • 2. Trimester: Hämoglobin < 10,5 g/dL (und Hämatokrit < 32 %)

  • 3. Trimester: Hämoglobin < 11 g/dL (und Hämatokrit < 33 %)

Wichtig: Zu hohes Hämoglobin ist gefährlich!
Werte über 13 g/dL im ersten Trimester erhöhen das Risiko für schwangerschaftsbedingte Komplikationen. Steigt der Wert sogar auf > 14,5 g/dL, ist das Risiko um das 4-Fache erhöht. Hämoglobin muss in der Schwangerschaft sinken – tut es das nicht, liegt oft eine Dehydration, Sauerstoffmangel oder dicker werdendes Blut (z. B. durch oxidativen Stress) vor.

Was man testen muss, um echten Eisenmangel festzustellen 🔬

Hämoglobin ist ein miserabler und unzuverlässiger Marker, um einen Eisenmangel zu diagnostizieren. Wenn das Hämoglobin fällt, bist du bereits in einer ausgewachsenen Anämie. Es ist das absolute Endstadium. Auch Ferritin allein reicht nicht aus, da es bei Entzündungen oder Infektionen oft künstlich hoch bleibt (Akut-Phase-Protein), obwohl die Zellen hungern.

Wenn du wirklich wissen willst, ob ein zellulärer Eisenmangel vorliegt, machst du am besten ein komplettes Eisen-Zell-Panel. Nur dieses Gesamtbild zeigt, was mit dem Eisen passiert, wie es transportiert wird und ob es in der Zelle ankommt. Du musst folgende Werte auf dem Laborzettel ankreuzen:

  • Serumeisen (Serum Iron): Fällt schon ganz zu Beginn eines Eisenmangels ab, bevor eine Anämie im großen Blutbild sichtbar wird.

  • Ferritin (Speichereisen): Um zu sehen, ob die Lagerhallen voll sind (muss aber immer im Kontext gewertet werden).

  • Transferrinsättigung (Iron Saturation): Zeigt an, wie viel Prozent deiner „Eisentaxis“ (Transferrin) auch wirklich Taxis mit Passagieren (Eisen) sind.

  • TIBC (Total Iron Binding Capacity): Zeigt die Kapazität der Bindungsproteine (steigt an, wenn der Körper mehr Taxis baut, weil er hungrig nach Eisen ist).

  • Wichtige Zusätze aus dem kleinen Blutbild:MCHC (Mittlere korpuskuläre Hämoglobinkonzentration), MCHund MCV, um zu sehen, ob die roten Blutkörperchen bereits kleiner oder blasser werden.

Was kann ich gegen einen echten Eisenmangel tun?

Ein Eisenmangel liegt selten daran, dass eine Frau wirklich zu wenig Eisen hat - es sei denn, sie ernährt sich komplett vegan/vegetarisch oder hat viel Blut verloren.

Was meistens dahinter steckt ist ein Problem, das den gesamten Körper, Mineralhaushalt und das Nervensystem betrifft:

  • Ein Mangel an Co-Faktoren wie Vitamin-A (Retinol aus tierischer Quelle wie Eier) und/oder Kupfer

  • Ein langsamer Stoffwechsel und/oder schwache Nebennieren - das Eisen kommt nicht in die Zellen rein.

  • Chronische niedrigschwellige Entzündungen

  • Ein aus dem Gleichgewicht geratenes Mikrobiom/zu wenig Magensäure

  • Dauerhafte Nervensystem-Dsyregulation/Anspannung

  • Schwermetall Belastung

  • Auch Lymphstau/emotionale Blockaden und schlechte Durchblutung können Gründe sein, dass das Eisen nicht transportiert wird.

Den Stoffwechseltyp, Schwermetalle, den Nebennieren-Status und den Kupfer-Speicher kann man in einer Haarmineralanalyse mit mir gemeinsam prüfen. Die HMA gehört zu den besten Tools um den Köper als Ökosystem zu verstehen, nicht nur einzelne Werte zu analysieren und wirklich zu sehen was IN DEN ZELLEN passiert. Während ein Blutbild immer “verschönigt” ist und nie die ganze Geschichte erzählt.

In der TCM steht ein Eisenmangel für einen Blut-Mangel bzw. einen Mangel an Energie. Hier rät man z.B dazu, mehr rote Lebensmittel zu essen: Beeren, Rote Beete, rote Datteln, rotes Fleisch. Auch sowas wie Fleisch- oder Knochen, oder Hühnerfußbrühe wirkt sehr nährend auf das Blut. Außerdem sollte man auf den Vitamin-A Konsum in der Ernährung achten: Nicht Vitamin-A aus Karotten, sondern Retinol z. B aus Eiern, Fleisch, Butter (Weidehaltung/hohe Bio-Qualität). Isst man sowas nicht regelmäßig, kann man z. B Lebertran (Marke: Rosita) 3-4x die Woche einnehmen.

Zusätzlich kannst du an deinem Lymphfluss arbeiten: Massagen im Nacken/Schulter Bereich, Trampolin springen, 5.000-10.000 Schritte am Tag, Trockenbürsten und regelmäßiger Stuhlgang (1-3x am Tag). Denn Eisen muss transportiert werden über die Lymphe! Dauerhafte muskuläre/emotionale Anspannung verhindert das. Sowas wie Körperarbeit, Psychotherapie, Atemarbeit, auf dem Boden liegen, Yoga, echte Entspannung ergänzen das.

Einen echten Eisenmangel/eine Anämie kann man meisten fühlen. Typische Anzeichen sind: Starke Erschöpfung, Kurzatmigkeit, Blasser Teint, Schwindel, brüchige/gerillte Fingernägel, Niedriger Blutdruck & Muskelschwäche, Unentschlossenheit, Mangelndes Durchsetzungsvermögen, Geringere Stressresilienz.


Eisenpräparate die ich empfehle

Wenn Ärtze/Hebammen es anraten und die Situation “dringend” ist, dann kann zusätzlich zu den Ernährungsanpassungen ein Eisen-Supplement durchaus sinnvoll sein. Ich möchte jedoch betonen, dass das nicht die Ursache behebt und man langfristig an seinem gesamten Körper-Ökosystem arbeiten sollte.

Meiden sollte man herkömmliche Standard-Eisen-Präparate und Multivitamin-Präparate. Diese enthalten oft sehr billige, gar schädliche Formen von Eisen (wie Sulfat oder Oxid). Besser ist sowas wie Eisenbisglycinat oder am besten noch dieses Produkt von Artgerecht:

Lactoferrin.

Lactoferrin zeigt in Studien eine wunderbare Wirksamkeit bei Eisenmangel besonders in der Schwangerschaft (Einnahme über vier Wochen 200mg Lactoferrin/mit angreichertem natürlichen Eisen am Tag) ohne negative Nebenwirkungen.

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Quellen:

Functional Maternity (Normwerte zu Eisen/Hämoglobin)

Wierzbicka, D., & Gromadzka, G. (2014). Ceruloplasmin, hephaestin and zyklopen: the three multicopper oxidases important for human iron metabolism. Postepy Hig Med Dosw, 68, 912-924.

Mejia, L. A., & Erdman, J. W., Jr (2025). Impact of Vitamin A Deficiency on Iron Metabolism and Anemia: A Historical Perspective and Research Advances. Nutrition Reviews, 83(3), 577-585.

Zimmermann, M. B., et al. (2006). Vitamin A supplementation in children with poor vitamin A and iron status increases erythropoietin and hemoglobin concentrations without changing total body iron. The American Journal of Clinical Nutrition, 84(3), 580–586.

Mertens, C., et al. (2021). The Macrophage Iron Signature in Health and Disease. International Journal of Molecular Sciences, 22(16), 8457.

Li, Y., et al. (2020). Dietary Iron Repletion Stimulates Hepatic Mobilization of Vitamin A in Previously Iron-Deficient Rats as Determined by Model-Based Compartmental Analysis. The Journal of Nutrition, 150(7), 1982–1988.

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